In Kürze
Auf der Innovative Leaders Konferenz 2026 des F.A.Z. Instituts diskutierte Alexandra Groß (Vorstand, Fink & Fuchs) gemeinsam mit Bettina Stark-Watzinger (Bundesministerin a.D.), Carsten Dirks (COO, SPRIND) und Prof. Dr. Thorsten Posselt (Universität Leipzig) über ein zentrales Problem des deutschen Innovationsstandorts. 47 Prozent der deutschen Wirtschaftsjournalist:innen halten Deutschland nicht für innovativ, obwohl Patentanmeldungen, Forschungsausgaben und internationale Rankings das Gegenteil belegen. Die Diskussion zeigt: Der Rückstand ist kein Leistungs-, sondern ein Kommunikationsproblem. Wer Innovationspotenziale nicht aktiv kommuniziert, verliert Sichtbarkeit, Vertrauen und Kapital.
Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln eine Technologie, die das Potenzial hat, eine ganze Branche zu verändern – und niemand spricht darüber. Nicht weil es nichts zu sagen gäbe, sondern weil die richtigen Worte fehlen, das Timing falsch ist oder schlicht die Ressourcen fehlen, um sichtbar zu werden. Genau das ist die Realität vieler Innovator:innen in Deutschland.
Auf der Innovative Leaders Konferenz 2026 des F.A.Z. Instituts diskutierte Alexandra Groß, Vorstand von Fink & Fuchs, gemeinsam mit Bettina Stark-Watzinger (Bundesministerin a.D.), Carsten Dirks (COO, SPRIND) und Prof. Dr. Thorsten Posselt (Universität Leipzig) darüber, was Innovationserfolg in Deutschland bremst und was uns das kostet.
Das gespaltene Bild
Eine Befragung der Dr. Doeblin Gesellschaft für Wirtschaftsforschung im Auftrag von Fink & Fuchs unter deutschen Wirtschaftsjournalisten liefert einen ernüchternden Befund: 53 Prozent halten die deutsche Wirtschaft für innovativ – 47 Prozent aber nicht. Fast die Hälfte der Multiplikator:innen, die täglich über Wirtschaft und Technologie berichten, zweifelt an der Innovationskraft des Landes. Und das, obwohl Patentanmeldungen, Forschungsausgaben und internationale Innovationsrankings ein anderes Bild zeichnen.
Für Alexandra Groß ist das ein Alarmsignal: „Das Kernproblem ist nicht, dass wir nicht innovativ sind. Aber die Innovativität schafft es nicht mehr in die Öffentlichkeit.”
Das Narrativ vom „Land der Innovation von gestern” werde so zur selbsterfüllenden Prophezeiung – auch weil Multiplikator:innen es weiterverbreiten, obwohl die Datenlage dagegenspricht.
Kommunikation als strategische Aufgabe – nicht als Nachgedanke
Bettina Stark-Watzinger brachte die gesellschaftliche Dimension auf den Punkt: Die breite Bevölkerung habe oft ein negatives Zukunftsbild. Das zu verändern sei gemeinsame Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. „Die Politik hat die Aufgabe, das Bild zu zeichnen, welches Land wir sein wollen. Wirtschaft und Wissenschaft füllen dieses dann mit Umsetzung.”
Alexandra Groß ergänzte mit Blick auf die praktische Realität: Es fehle vor allem an Ressourcen und Kommunikations-Know-how. Während amerikanische Unternehmen früh und offensiv in Sichtbarkeit investieren, agieren viele deutsche Innovatoren zurückhaltend – und warten, bis das Produkt fertig ist. „Die amerikanische Manier ist es, viel zu investieren und offensiv nach außen zu gehen. Dieses Mindset braucht es mehr auch in Deutschland.”
Vertrauen ist die Grundlage für Kapital
Die Diskussion machte deutlich: Kommunikation ist kein „Nice-to-have” am Ende eines Innovationsprozesses – sie ist ein entscheidender Hebel für Finanzierung. Prof. Dr. Thorsten Posselt verwies auf einen markanten Vergleich: In den USA fließen 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Start-ups und Scale-ups, in Deutschland lediglich 0,15 Prozent. Strukturelle Unterschiede erklären das nur zum Teil. Wer Chancen nicht aktiv kommuniziert, bekommt kein Kapital – so einfach ist das.
Carsten Dirks, der täglich mit Deep-Tech-Gründer:innen arbeitet, benennt das Kernproblem direkt: Gründer:innen sprechen oft in ihrer eigenen Fachblase. Verständlich für Expert:innen, aber kaum zugänglich für Investor:innen oder Partner:innen. Seine Überzeugung: Offene, transparente Kommunikation ist kein PR-Instrument am Ende des Prozesses, sondern ein kontinuierlicher, instrumenteller Teil des Finanzierungswegs. Wer das früh ändert, baut Vertrauen auf – und damit die Grundlage für Folgefinanzierungen.
Was bleibt
Das Panel wie auch die Innovative Leaders Konferenz 2026 insgesamt haben gezeigt: Deutschland hat die Substanz. Was fehlt, ist die Sichtbarkeit. Und die entsteht nicht von selbst. Sie ist das Ergebnis strategischer, frühzeitiger und zielgruppengerechter Kommunikation.
Deutschland hat die Substanz. Die Lücke ist keine Frage der Leistung – sondern der Sprache. Wer das früh begreift und entsprechend handelt, gewinnt nicht nur Sichtbarkeit. Er gewinnt Vertrauen. Und damit Kapital.