In Kürze:
Der organische Website-Traffic ist 2026 im DACH-Raum massiv eingebrochen – 20 % im zweiten Quartal. Als Hauptgrund nennt die Studie von e-dialog ein verändertes Suchverhalten. Die Customer Journey verlagert sich in Richtung KI-Systeme.
Die Prognosen, dass KI-Suchen Website-Traffic schrumpfen lassen, werden immer stärker Realität: Seit 2024 beobachtet das Marketing-Unternehmen e-dialog die Entwicklung im Rahmen wiederkehrender Studien. Für das zweite Quartal 2026 verzeichnet es ein Fünftel weniger organischen Traffic. Als Analysebasis dienen 74 Websites in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit insgesamt 1,2 Milliarden Sessions. Die neuesten Ergebnisse beziehen sich auf das erste Halbjahr 2026.
Die Erkenntnisse auf einen Blick
Tiefflug für organischen Website-Traffic
Rund ein Fünftel (20,3 Prozent) der organischen Zugriffe ist laut der e-dialog Studie im zweiten Quartal dieses Jahres weggebrochen.
KI-Traffic wächst massiv
Obwohl sich die Zugriffe über AI Referrals, also aus KI-Suchen, im ersten Halbjahr 2026 verdreifacht haben, spielen sie im Gesamtbild bislang kaum eine Rolle: Weniger als ein Prozent des Website-Traffics stammt aus KI-Suchen. Den größten Anteil liefert weiterhin die organische Suche mit knapp 65 Prozent. Gerade dort sind allerdings die deutlichsten Rückgänge zu beobachten.
Finanzbranche zeigt deutlichsten Rückgang
Besonders hart trifft der Traffic-Einbruch Finanz- und Versicherungsunternehmen: Ihre Zugriffe aus der organischen Suche sind um 39,3 Prozent gesunken. Auch Bildungsanbieter und Telekommunikationsunternehmen verzeichnen spürbare Einbußen.
Trotz des massiven Rückgangs (-20,3 %) bleiben organische Zugriffe die Hauptquelle (64,6 %). Traffic über KI-Systeme wächst zwar sehr stark, macht aber im Gesamtbild einen sehr geringen Bereich aus (0,9 % des Gesamt-Traffic). Insgesamt geht die Studie von einer Verschiebung zugunsten von Zero-Klick-Antworten aus: Antworten auf Suchanfragen erhalten Nutzer:innen zunehmend direkt auf KI-Plattformen oder in der KI-Übersicht von Google.
Rückschlüsse für die Kommunikationsarbeit
Für PR, Kommunikation und Marketing verschiebt sich damit die Aufgabe. Entscheidend ist nicht mehr allein, ob Inhalte Klicks auf die eigene Website bringen. Sie müssen auch dort sichtbar sein, wo KI-Systeme Informationen für ihre Antworten zusammentragen. Da AI Referrals und Zero-Klick-Antworten wichtiger werden, sollten Unternehmen sich damit beschäftigen, wie sie dort auftauchen. Wenn KI ihre Informationen auf digitalen Plattformen sammelt, sollten Unternehmen ihre Präsenz über das gesamte digitale Ökosystem hinweg stärken. Dazu zählt zum einen das Erscheinen der Marke in den Digitalauftritten von Medien, aber auch in Videos und Podcasts, die Transkripte anbieten. Solche externen Erwähnungen und Einordnungen, also Earned Media, liefern Kontext und können die Sichtbarkeit einer Marke in KI-Antworten unterstützen.
Owned Media bleiben zentral
Die andere Dimension umfasst Owned Media. Das ist die eigene Website, die, damit deren Inhalte von KI gefunden werden, aktuell, verständlich strukturiert und für KI-Systeme gut lesbar sein sollte. GEO-optimierte Inhalte können dafür wichtige Voraussetzungen schaffen.
Hinzu kommt die Pflege des Unternehmensprofils in Branchenverzeichnissen, Vergleichsportalen sowie Präsenz in Social Media von LinkedIn bis zur Diskussionsplattform Reddit. Auch diese Quellen prägen den digitalen Markenkontext, den KI-Systeme bei ihren Antworten berücksichtigen können. Unternehmen sollten sich deshalb einen Eindruck von ihrer eigenen Präsenz auf den verschiedenen KI-Plattformen verschaffen.
Im Digital Marketing hat KI die gesamte Customer Journey verändert. Von der ursprünglichen Frage über die Empfehlung bis hin zur Entscheidung können nun relevante Prozessschritte des Kaufprozesses im Dialog mit KI geregelt werden. Ein Marken-Ranking, vergleichbar mit dem von Google, bieten KI-Anbieter derzeit nicht. GEO-Checks können eine erste Orientierung liefern, ersetzen aber keine regelmäßige Prüfung der eigenen Sichtbarkeit in relevanten KI-Systemen.