In Kürze:
Mit Soofi S hat vor kurzem die erste Variante einer europäischen KI-Modellfamilie die Tech-Welt betreten. Ziel des Soofi-Konsortiums, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ist es, leistungsfähige KI-Modelle mit europäischer Infrastruktur zu entwickeln. Ein begrüßenswertes Projekt mit guten Benchmarks. Es haben nur viel zu wenige Menschen davon gehört. Ein Beispiel dafür, wie Kommunikation zu kurz kommt.
Darauf hat Deutschland doch gewartet: Ein souveränes, transparentes KI-Basismodell, basierend auf europäischer Infrastruktur, trainiert in einem Münchner Rechenzentrum der Telekom, die Server gekühlt mit Wasser aus dem Eisbach. Lokaler geht es kaum. Soofi S ist der erste Baustein einer europäischen KI-Modellfamilie und Kern des Projekts Soofi. So entsteht ein souveränes, transparentes KI-Basismodell für industrielle Anwendungen, das Unternehmen, Mittelstand, Verwaltung, Forschung und Start-ups eine Alternative zu außereuropäischen Modellen bietet.
Sie haben davon noch nicht gehört? Ja, genau da liegt das Problem.
Sicher, günstig, anpassbar
Das Projekt selbst ist durchaus interessant: Als Anwendungsszenarien nennt das Konsortium etwa industrielle Prozesse, die Analyse umfangreicher technischer und regulatorischer Dokumente, Code-Generierung oder agentische KI-Systeme. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und von der Europäischen Union im Rahmen von NextGenerationEU.
Soofi S greift auf eine bestehende, offene Architektur von Nvidia zurück, die Entwickler:innen haben zudem auf ein Post-Training verzichtet. Der Fokus lag allein auf den Daten und dem Training: Das ist weitaus günstiger und schneller als den kompletten KI-Entwicklungsprozess durchzuspielen. Diese Art der Umsetzung könnte somit auch Vorbild sein für weitere KI-Entwicklungen auf europäischem Boden, die finanzielle und zeitliche Rahmen berücksichtigen müssen. Aktuell wird das Modell in Kooperation mit Industrieunternehmen in der Anwendung getestet, um basierend auf den Ergebnissen weitere Erkenntnisse für eine Weiterentwicklung abzuleiten.
Eigene KI-Entwicklungen müssen zur Anwendung gelangen
Es ist bekannt: Als Anbieter von KI-Lösungen ist Deutschland nicht etabliert, andererseits wird der akademischen Forschung zu Künstlicher Intelligenz eine hohe Qualität bescheinigt. Es ist auch bekannt, dass die deutsche Industrie über einen großen Schatz an Prozessdaten und Domänenwissen verfügt, das in Kombination mit KI ein mächtiges Werkzeug für Wertschöpfung und Produktivität darstellen würde. Dass Datenschutz und Transparenz generell einen hohen Stellenwert genießen und dass man in Deutschland die eigene Leistung zu wenig honoriert, ebenso.
Doch warum fliegt eine Errungenschaft, die diese Widersprüche beantwortet, unter dem Radar? Wer über die News gestolpert ist, wird sich schwertun, weiterführende Berichterstattung außerhalb der IT- oder Wissenschafts-Community zu finden. Doch für wirkliche Sichtbarkeit, und diese Flughöhe hat das Thema verdient, braucht es mehr Gespräch in der Breite der Medienlandschaft, etwa der überregionalen Tagespresse und auch der Wirtschaftspresse. Auch sucht das Konsortium gerade Industrieunternehmen, die erste Anwendungen testen wollen.
Und genau da liegt die Aufgabe von Innovationskommunikation: Eine technologische Leistung so zu übersetzen, dass sie auch außerhalb der Fachwelt ankommt, immer mit Blick auf die Frage: Was heißt ein souveränes KI-Modell für die deutsche Industrie, für den Mittelstand, für die eigene Position im globalen Wettbewerb? Benchmarks und technische Parameter sind wichtig, erreichen aber diejenigen, die sich auskennen und im Zweifel ohnehin schon überzeugt sind. Für ein größeres Zielpublikum wäre es spannender zu erklären, welche Chancen sich für den Standort Deutschland erschließen lassen, was das für die Wertschöpfung, aber auch für innovationsrelevante Faktoren wie die Allokation von Risikokapital oder die Ausbildung von Fachkräften bedeutet.
Soofi S macht vieles von dem plausibel, was es verspricht: ein transparentes, europäisch entwickeltes Modell mit ordentlicher Leistung. Nur weiß davon außerhalb der Fach-Community kaum jemand. Für die aktuelle Testphase mit Industriepartnern mag das reichen. Für die politische und gesellschaftliche Debatte um digitale Souveränität, in der das Projekt eigentlich mitspielen will, braucht es mehr – und zwar Kommunikation, die diesen Anspruch auch einlöst.