Stabiler Grundton – und warum Innovation gerade im Mittelstand zum entscheidenden Faktor wird
Wie steht es um die Konsumgüterbranche – global, datenbasiert und jenseits einzelner Schlagzeilen? Mit dem neuen Branchenindex legen das IFH KÖLN und die Messe Frankfurt erstmals ein internationales Stimmungsbarometer für messerelevante Konsumgütersegmente vor. Insgesamt wurden 945 Aussteller:innen und Besucher:innen der Messe Frankfurt aus über 60 Ländern befragt. Das Ergebnis: Die Lage ist insgesamt stabil, aber verhalten. Der Gesamtindex liegt bei 100,1 – ein Wert, der weder Euphorie noch Einbruch signalisiert.
Das regionale Bild: Europa fällt zurückhaltender aus (98,9), während USA (102,5) und Asien (105,3) etwas optimistischer wirken. Kurz: Die Branche steht – aber sie steht unter Spannung.
Wo der Druck konkret herkommt
Dass die Stimmung eher verhalten bleibt, hat nachvollziehbare Gründe. Der Index verweist auf Faktoren, die für viele Unternehmen unmittelbar spürbar sind:
- Handelshemmnisse und Zölle: Knapp die Hälfte der Austeller:innen (49 %) sieht sich betroffen – besonders stark in den USA (75 %), gefolgt von Asien (58 %) und Europa (33 %).
- Dynamische Unsicherheiten: 44 Prozent der Aussteller:innen und 38 Prozent der Besucher:innen fühlen sich nur teilweise gerüstet, wenn sich diese Rahmenbedingungen kurzfristig ändern.
- Wachstumsunterschiede: In einem Markt mit global 946 Milliarden Euro Umsatzvolumen entwickelt sich Europa mit nur 1,7 Prozent Wachstum schwächer als die USA (3 %) und Asien (3,7 %) – was Planung und Investitionsbereitschaft zusätzlich beeinflusst.
Transformationstreiber Mittelstand
Gerade weil das Stimmungsbild nicht eindeutig positiv ist, lohnt der Blick darauf, wer in dieser Phase eine Richtung vorgibt. Hier rückt ein Faktor in den Fokus, der in der Konsumgüterbranche oft unterschätzt wird: der Mittelstand.
In vielen Segmenten bilden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) das Rückgrat der Branche. Sie sind es, die in einem schwierigen Umfeld häufig besonders beweglich reagieren: mit Spezialisierung, Nähe zum Markt und der Fähigkeit, Innovation pragmatisch umzusetzen. Dabei geht es nicht nur um neue Produkte, sondern zunehmend auch um neue Wege der Wertschöpfung: von KI-gestützten Prozessen bis hin zu neuen Geschäftsmodellen. Genau diese Verbindung – Marktunsicherheit auf der einen Seite, Innovationsdruck und Innovationsfähigkeit auf der anderen – macht den Mittelstand zu einer der spannendsten Beobachtungsflächen im Branchenwandel.
Zum Messeauftakt des Konsumgütertrios Ambiente, Christmasworld und Creativeworld bot die Messe Frankfurt mit den Compass Talks ein absolutes Novum: Der neue KMU-Treffpunkt ordnet ein, wo die globale Konsumgüterbranche steht, was KMU aktuell bewegt und bietet eine Plattform für faktenbasierte Diskussionen.
Auf der Bühne der Compass Talks wurden drei zentrale Wachstumstreiber herausgestellt:
- KI als Gamechanger: Sie ermöglicht Unternehmen jeder Größe, Prozesse zu automatisieren, effizienter zu arbeiten und datenbasiert bessere Entscheidungen zu treffen – mit klaren Wettbewerbsvorteilen.
- Nachhaltigkeit als Wachstumsmotor: Sie schafft messbare wirtschaftliche Vorteile, etwa durch resilientere Lieferketten, geringere Produktionskosten und eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit.
- Vertrauen als Erfolgsfaktor im Handel: Entscheidend ist die durchgängige Begleitung der Kund:innen entlang der gesamten Customer Journey online und offline. Dabei stärkt besonders die physische Präsenz das Vertrauen in Produkte und Marken.
Der IFH-Branchenindex ist ein guter Anlass, die Konsumgüterbranche genauer zu betrachten als Markt mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung – und als Umfeld, in dem gerade innovative KMU spannende Antworten auf Transformation entwickeln.
Denn genau dort entstehen die Geschichten, die Orientierung geben: Unternehmen, die trotz Druck neue Wege finden, Technologien sinnvoll einsetzen und neue Geschäftsmodelle wagen.