In Kürze:
Deutschland ist mit rund 10.700 Patenten weltweit auf Platz 2 in der Kreislaufwirtschaft und führt bei der Qualität (Zitationshäufigkeit). Besonders stark ist das Land in Batterierecycling und zirkulärem Bauen. Gleichzeitig holen asiatische Länder – vor allem China – bei der Innovationsdynamik stark auf. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, braucht es neben technologischer Stärke klare politische Rahmenbedingungen und gezielte Förderung. Gezielte Kommunikation hilft, diese Ziele zu erreichen.
Deutschland auf Platz 2 im Patentranking der Kreislaufwirtschaft – aber Asien holt auf
Deutschland zählt weltweit zu den führenden Innovationsstandorten im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Das zeigt eine aktuelle Patentanalyse der Bertelsmann Stiftung. Zwischen 2010 und 2024 wurden weltweit rund 62.000 technologische Patente im Feld der Circular Economy angemeldet – etwa für Recyclingverfahren, neue Materialien oder zirkuläre Produktionsprozesse.
Mit 10.700 Patentanmeldungen entfallen knapp 17 Prozent davon auf Deutschland. Damit liegt Deutschland auf Platz 2. Nur die USA liegen mit rund 14.000 Anmeldungen vor der Bundesrepublik. Auf Rang drei folgt Japan mit 8.600 Patenten.
Qualität als entscheidender Faktor
Neben der reinen Anzahl der Patente untersucht die Studie auch deren wirtschaftliche Relevanz. Maßstab dafür ist die Zitierhäufigkeit in späteren Patentanmeldungen – ein Indikator für technologische Strahlkraft und Anschlussfähigkeit.
Hier liegt Deutschland an der Spitze: Deutsche Patente im Bereich Kreislaufwirtschaft wurden in den vergangenen 15 Jahren rund 15.000 Mal zitiert. Japan folgt mit knapp 10.000 Nennungen, die USA liegen nahezu gleichauf. China und Südkorea weisen deutlich geringere Zitationswerte auf.
Die Analyse macht deutlich: Deutschland ist nicht nur quantitativ stark, sondern setzt qualitativ relevante Innovationsimpulse.
Innovationsdynamik verschiebt sich nach Ostasien
Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine strukturelle Verschiebung der Innovationsdynamik. Während die Patentaktivität in Deutschland zwischen 2010 und 2021 um den Faktor 1,3 gestiegen ist, verzeichnete China im selben Zeitraum nahezu eine Verfünffachung seiner Anmeldungen. Auch Südkorea und Japan steigerten ihre Aktivitäten deutlich stärker.
Die deutsche Führungsposition steht damit unter wachsendem Wettbewerbsdruck.
Technologiefelder mit Transformationspotenzial
Die Studie hebt insbesondere zwei Innovationsfelder hervor:
Batterierecycling
Mit Blick auf Elektromobilität und Rohstoffabhängigkeiten gewinnt die Rückgewinnung kritischer Materialien strategisch an Bedeutung. Deutschland konnte seinen weltweiten Patentanteil in diesem Feld zuletzt sogar steigern. Auffällig ist jedoch die starke Konzentration der Innovationsaktivitäten auf wenige große Unternehmen.
Zirkuläres Bauen
Hier liegt Deutschland mit einem Anteil von rund 20 Prozent der weltweiten Patente an der Spitze. Angesichts der Tatsache, dass rund die Hälfte aller entnommenen Rohstoffe in Gebäuden steckt und ein erheblicher Teil des Abfallaufkommens aus Bau- und Abrissmaßnahmen stammt, besitzt dieses Feld erhebliches Transformationspotenzial.
Beide Bereiche zeigen exemplarisch, wie technologische Innovationen ökologische Transformation und industrielle Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbinden.
Politischer Rahmen als Beschleuniger
Die Autoren der Studie betonen, dass technologische Stärke allein nicht ausreicht. Entscheidend sei ein verlässlicher gesetzlicher und finanzieller Rahmen, um Innovationen in die Marktdurchdringung zu bringen. Dazu zählen:- klare industriepolitische Zielsetzungen
- gezielte Forschungsförderung
- eine innovationsorientierte öffentliche Beschaffung
Die Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie wird dabei als zentraler Hebel gesehen. . Um die erforderlichen Punkte wirksam zu erreichen, ist auch eine strategische Kommunikation entscheidend. Sie adressiert politische Entscheidungsträger:innen, stärkt die Vernetzung von Unternehmen und Hochschulen zu leistungsfähigen Innovationsökosystemen und erhöht die Sichtbarkeit zirkulärer Lösungen bei Kunden und Investoren. So wird aus technologischer Stärke tatsächliche Markt- und Transformationskraft.