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Fink & Fuchs
weiterdenken

In Kürze
Deutschland hat sich zu einem führenden Standort für DefTech-Investments entwickelt. Gleichzeitig wächst die gesellschaftliche Akzeptanz deutlich. Doch genau hier entsteht ein Spannungsfeld: Ein strategisch immer relevanterer Sektor bleibt kommunikativ unterbelichtet. Warum Sichtbarkeit, Kooperationen und politische Unterstützung jetzt vor allem auch eine Frage der richtigen Narrative ist, zeigt der Beitrag.

Ein Sektor gewinnt strategisch an Bedeutung

Der DefTech-Sektor entwickelt sich in Deutschland mit bemerkenswerter Dynamik. Was lange als Nischenthema galt, rückt zunehmend ins Zentrum sicherheitspolitischer und wirtschaftlicher Debatten. Der DefTech Report 2026 von Bitkom zeigt, wie stark der Sektor in Deutschland technologisch und finanziell ist – und welche kommunikativen Schritte die Dynamik jetzt weiter erhöhen könnten.

Deutschland etabliert sich als führender Finanzierungsstandort

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die starke Rolle Deutschlands im europäischen DefTech-Funding. Der Anteil von DefTech am gesamten Venture-Capital-Volumen ist seit 2019 von 2,9 auf 10,7 Prozent gestiegen – und hat sich damit mehr als verdreifacht. Seit 2024 sind in Deutschland rund 1,5 Milliarden Dollar Risikokapital investiert worden – weitaus mehr als im Rest Europas. In Großbritannien beispielsweise waren es nur 335 Millionen.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die strukturelle Bedeutung des Sektors: Obwohl DefTech-Startups nur einen kleinen Teil der Deals ausmachen, ziehen sie einen überproportional hohen Anteil des Kapitals an. Deutschland entwickelt sich damit zu einem zentralen Knotenpunkt für Investitionen in sicherheitsrelevante Technologien in Europa.
Die Positionierung Deutschlands als führender DefTech-Finanzierungsstandort ist faktenbasiert belegbar – wird aber noch nicht konsequent als Narrativ genutzt.

Mehr Anerkennung – ein spürbarer kultureller Wandel

Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung verändert sich auch die gesellschaftliche Wahrnehmung. Gründer:innen im DefTech-Bereich nehmen deutlich häufiger Anerkennung wahr als noch im Jahr zuvor.
Knapp zwei Drittel fühlen sich inzwischen gesellschaftlich und politisch wertgeschätzt.
Diese Entwicklung markiert einen kulturellen Wandel: DefTech verlässt die Rolle eines erklärungsbedürftigen Spezialthemas und wird zunehmend als legitimer Teil des Innovationsökosystems wahrgenommen. Für Unternehmen eröffnet das neue kommunikative Spielräume, etwa in der Positionierung, im Recruiting oder im Dialog mit politischen Stakeholdern.

Sichtbarkeit und Kooperation als zentrale Hebel

Die Studie betrachtet auch, welche Maßnahmen zur weiteren Stärkung erforderlich sind. Drei Viertel der Gründer:innen nennen hier eine stärkere Sichtbarkeit durch Präsenz auf Veranstaltungen. Über 80 Prozent wünschen sich mehr politische Unterstützung für Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen, dicht gefolgt von mehr Kooperationen mit der Bundeswehr.

Politische Unterstützung braucht kommunikative Anschlussfähigkeit

Die Erwartungen an die Politik sind klar formuliert: schnellere Beschaffungsprozesse, mehr Investitionen in Innovation und gezielte Unterstützung von Kooperationen.
Doch politische Unterstützung entsteht nicht allein durch Forderungen. Sie braucht öffentliche Wahrnehmung, verständliche Narrative und nachvollziehbare Nutzenargumente. Kommunikation wird damit zum verbindenden Element zwischen technologischer Entwicklung und politischer Priorisierung. Auch Kooperationen und der Ausbau von Industrie-Ökosystemen profitieren davon, wenn Unternehmen sich kommunikativ klar positionieren und ihre Sichtbarkeit erhöhen.

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