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17. August 2023 Lesedauer: 3 Minuten

Unser Titelbild wirft Fragen auf. Es ist mit dem KI-Tool Midjourney erstellt. Und das kommt dabei heraus, wenn der Prompt “finkfuchs_meeting_with_avatars_talking_about_future” lautet. Seit gefühlt jeder von uns seinen “ChatGPT-Moment” hatte, sind KI-Tools bei Kreativen und Kommunikations-Schaffenden in aller Munde. Täglich sprießen neue Anwendungen aus dem Boden. Doch was davon hat wirklich das Potenzial, unsere Arbeit einfacher oder sogar besser zu machen? Wer uns kennt weiß, dass wir nicht unreflektiert auf jeden Hype aufspringen. Deshalb findet man bei uns nicht das 100ste Tutorial zum Umgang mit Chat-GPT. Zumal nicht alles so golden ist, wie es der erste Eindruck glauben lässt. Wir sagen nur “Stichwort KI Halluzination”. Wie immer betrachten wir auch das Thema KI nicht nur auf der Tool-Ebene. Vielmehr geht es darum, mit Menschenverstand Prozesse anzusehen, Pain Points zu ermitteln und Lösungspotenziale zu analysieren.

Unsere Herangehensweise
Wir arbeiten mit einem Kernteam aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Das Ziel: Einen Überblick über für uns potenziell relevante Tools zu haben. Aber eben basierend auf Szenarien und Use Cases, die unserem Alltag entsprechen oder zukünftig an Bedeutung gewinnen werden. Wir arbeiten nicht mit Tools um der Tools willen – sondern um zu prüfen, wie sie uns bei konkreten Aufgaben helfen. Wir testen Lösungen und entwickeln ein Bild, welche davon wir zusätzlich in unser Portfolio aufnehmen wollen. Ja, zusätzlich. Denn wir nutzen ja bereits DeepL, Trint oder Grammarly. Auch Midjourney, ChatGPT oder Tome AI kommen partiell zum Einsatz.

Unsere Erkenntnisse
Grundsätzlich bekannt ist ja: KI kann gut unterstützen bei Aufgaben wie Übersetzung, Transkription, Untertitelung. KI kann auch im Bereich der Kreations- und Grafikarbeiten unterstützen – automatisch freistellen, Bilder bearbeiten. Aus Prompts Bilder neu generieren. KI kann potenziell auch Präsentationen vorentwerfen, bestimmte Texte erstellen oder Zusammenfassungen schreiben. Genauso: Stimmen erzeugen und damit Voiceover liefern. All das ist aber darauf abzuklopfen, wo es uns in welchen Teilen helfen kann. Und natürlich sind Prozesse ein Thema – was lässt sich automatisieren, welche Arbeitsschritte können wir “an die Maschine” delegieren? Wie können uns Tools etwa bei Meeting Notes und Reportings helfen?

Klar ist aber auch: Stand heute ist – von reiner Automatisierung abgesehen – nichts davon so, dass fertige Produkte entstehen. Immer muss der Mensch nochmal ran. Ändern, Feinschliff betreiben, adaptieren und erweitern. Und, das ist besonders wichtig: verifizieren. Für Differenzierung, für kreative Überraschungsmomente, für das Herausschälen von Stories und anspruchsvolle Zielgruppen reichen KI-Tools nicht. Aber KI-Tools können uns Zeit sparen und helfen, schneller bessere Ergebnisse zu erzielen. Und genau darauf wollen wir hinaus. Mit Menschenverstand.

Unsere Leitgedanken
Grundsätzlich gehen wir als Agentur aufgeschlossen an den Umgang mit KI-Tools heran.
Wir wollen sehen, wo sie unsere Arbeit besser, schneller und produktiver machen.
Dabei gelten für uns folgende Punkte:

  1. Wir sind transparent darin, wofür wir KI mit welchem Ergebnis eingesetzt haben und achten auf die Rechte der Urheber:innen.
  2. Wir sehen den Einsatz von KI ausschließlich unter Aufsicht von und im Gespann mit Menschen.
  3. Dabei hat der Mensch die letzte Entscheidung und Verantwortung über den Einsatz der Ergebnisse.
  4. Wir haben ein einheitliches Werteverständnis und setzen nur KI-Tools ein, die nicht gegen geltendes Recht und gesetzliche Bestimmungen verstoßen.
  5. Wir gehen sehr sensibel mit den Daten von Agentur und unseren Kund:innen um. Wir werden KI-Tools nicht mit diesen sensiblen Daten „füttern“.

Das sagen die Expert:innen

Jetzt ist die Zeit, Fahrt aufzunehmen

“KI schwankt immer zwischen unterschätzt und over-hyped. In diese Falle tappen wir häufig, nämlich die KI zu over-hypen. Aber KI braucht Zeit. Jetzt wo es thematisch sehr stark läuft, sind wir in Deutschland recht defensiv unterwegs und beobachten eher. Jetzt ist die Zeit, Fahrt aufzunehmen. Und die Dimensionen, die das Thema erreicht, werden eher groß als klein.

Was mich konkret interessiert sind Use-Cases – was macht Unternehmen X konkret? Und wie können wir KI konstruktiv einsetzen, damit der Markt rund um KI weiter wächst? Da kommt kommunikativ zu wenig. Derzeit wird mehr über die Regulierung gesprochen. Was die KI-Forschung betrifft sind wir gar nicht so schlecht, das zeigt sich auch in den Konferenzen und Papern.

Wir sollten nicht jetzt schon damit beginnen zu diskutieren, ob wir es gut finden oder nicht. Sondern ausprobieren und dann entscheiden, ob wir es wollen. Der AI Act wirft manchen Unternehmen Knüppel zwischen die Beine. Das hilft uns alles nicht, um voranzukommen. Dann besteht die Gefahr, dass Unternehmen abwandern.”

Dr. Holger Schmidt, Digital Economist

Der Bertha-Benz-Moment für die maschinelle Intelligenz

“Anwendungen auf KI-Basis gibt es schon seit längerem. Nur wurden sie oft nicht als KI-Lösungen kommuniziert. Nehmen wir zum Beispiel deepL für die Textübersetzung, Navigationssysteme, Sprachassistenten, das autonome Fahren… Oder schauen Sie sich die Objekterkennung an, wenn Sie Ihre Fotosammlung durchsuchen. Ohne KI sind solche Anwendungen nicht möglich. Aber nur wenige User haben bemerkt, dass KI die Grundlage bildet. KI stand thematisch nicht im Vordergrund. Hinzu kommt, dass manche Firmen, ganz anders als heute, gar nicht über ihre KI-Technologien sprechen wollten. In der Produktion wird KI für Qualitätskontrollen eingesetzt – aber seien wir ehrlich, damit lockt man niemanden hinter dem Ofen vor. Versicherungen und Finanzunternehmen nutzen KI, zum Beispiel im Bereich fraud prevention und fraud detection. Aber das wollten sie, wen wundert’s, nicht öffentlich kommunizieren.

Mit ChatGPT hat die KI-Thematik eine ganz neue Zugkraft gewonnen. OpenAI hat sich zu einem echten Abräumer entwickelt und damit einen Bertha-Benz-Moment für die KI geschaffen – das Auto war erfunden, aber erst die Überlandfahrt von Bertha Benz machte 1888 das Potential offensichtlich. Deutschland entwickelte sich zum Autoland. Aber auch bei KI können wir eine Spitzenposition einnehmen. Dafür braucht es lediglich Unternehmen wie Aleph Alpha oder Startups wie nyonic.

Wir haben am Standort Deutschland die Talente und die intellektuellen Ressourcen, es mangelt aber bis dato an großen Investoren und Risikokapital, um in vorderster Reihe mitzugestalten. Aber das kann sich täglich ändern – hoffentlich!”

Reinhard Karger, Unternehmenssprecher beim DFKI

Positive Aspekte realistisch darstellen

“Ich denke, dass es bereits gute Ansätze gibt, um „deutsche“ KI-Lösungen zu präsentieren. Dazu zähle ich z.B. diverse KI-Landkarten und Netzwerke, die als Bühne des deutschen KI-Ökosystems dienen und vor allem vom Austausch miteinander profitieren.

Wichtig ist mir dabei, dass die positiven Aspekte der Lösungen realistisch dargestellt werden. Wir laufen in Gefahr zwischen den beiden Polen „Hype“ und „Flop“. Auch die Nachhaltigkeit der KI-Lösungen bzw. der nachhaltige Einsatz dieser wird in der aktuellen Diskussion meines Erachtens leider noch zu wenig beachtet.

Nur durch ehrliche Kommunikation der Mehrwerte und auch Risiken von KI-Use-Cases kann Vertrauen geschaffen werden. Unsere europäischen Lösungen punkten vor allem durch eine stärkere Achtung des Datenschutzes sowie eine bessere Erklärbarkeit und Transparenz. Diese Vorteile deutscher sowie europäischer Lösungen sollten stärker als Qualitätsmerkmale in den Mittelpunkt gestellt werden.”

Dr. Vanessa Just, Vorstand KI Bundesverband, Gründerin und CEO der juS.TECH AG

Es fehlt ein Storytelling

“Was die deutschen Unternehmen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit rund um KI betreiben, finde ich nicht pointiert und interessant genug. Es fehlt ein Storytelling, das mich packt, mit einem anderen Ansatz, einer anderen Perspektive. Am häufigsten schlagen Themen auf rund um die KI-Regulierung. Die spannenden KI-Geschichten müssen wir uns in der Redaktion selbst suchen.

Was macht ein hoffnungsvoller Start-up in Sachen KI? Was macht zum Beispiel ThyssenKrupp? Und nicht nur Aleph Alpha und deepL… Was mich wirklich fasziniert hat, war ein Video von Microsoft, wie sie ChatGPT-Fähigkeiten in das Office-Paket einbauen wollen. Hier wird mir in Alltagsanwendungen gezeigt, was künftig möglich ist.”

Carsten Knop, Mitherausgeber der FAZ

Wo ist die KI auch mal schlechter als die bisherige Anwendung?

“Was mir an der Kommunikation rund um KI fehlt, ist eine kritische Leistungsanalyse der jeweiligen KI-Entwicklung. Sprich: Wo ist die KI-Anwendung auch mal schlechter, als die bisherige Anwendung und droht, sich zu einem echten Showstopper, statt Gamechanger zu entwickeln? Welche learnings lassen sich aus diesen Erfahrungen ziehen?

Bei der Kommunikation zur Entwicklung von KI-Tools findet kein „work in progress“ statt. Das bedeutet: Das Unternehmen geht erst mit der Kommunikation an die Medien, wenn alles komplett fertig ist. Aber eine Pressemeldung über ein fertiges KI-Tool sagt zunächst einmal gar nichts. Es fehlt mir die selbstkritische Einordnung. Leichter fällt mir, wenn Unternehmen frühzeitig einen Blick unter die Motorhaube gewähren. Die Übertragung in mögliche Einsatzszenarien und Kundenanforderung wäre originäre Aufgabe des angesprochenen Redakteurs.

Ferner fehlt es in der Kommunikation rund um KI-Lösungen an Exklusivität. Ich würde mir wünschen, im Design-Prozess mit einbezogen zu werden. Mit der klassischen Pressemeldung adressiere ich als Unternehmen zunächst einmal alle. Viel spannender für mich als Redakteur ist es, in Kooperation mit dem Unternehmen, dem Start-up auszuprobieren, wie gut die jeweilige KI-Lösung ist. Um dann über Einsatzmöglichkeiten, Nutzen und Mehrwerte zu sprechen. Und welche Relevanz die Lösung für den Markt; die jeweiligen Zielgruppen hat.

Was die KI-Start-ups in Deutschland betrifft, muss ich sagen, dass von deren Kommunikation null bei uns in der Redaktion ankommt.”

Frank Puscher, Stellv. Chefredakteur MEEDIA

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